# Technik & Wirtschaft: Produktmanagement für digitale Lösungen bei Schindler Österreich

Interview mit Dipl.-Ing. Silvana Stamenkovic-Novakovic (5BHETE 2014)

Warum haben Sie sich seinerzeit für den Besuch der HTL für Elektrotechnik in Ottakring entschieden?

Mir war schon früh klar, dass ich mich in eine technische Richtung entwickeln möchte. Ich wollte verstehen, warum sich Fahrzeuge fortbewegen oder warum man mit einem Menschen über große Distanzen kommunizieren kann. Da man sich im Gymnasium nicht intensiv mit solchen Themen auseinandersetzt, habe ich mir mehrere HTLs bei Tagen der offenen Tür angeschaut.

In der HTL Ottakring haben mich dann zwei Maturantinnen der Abteilung Elektrotechnik durch die Schule geführt. Die Gespräche mit den Schülerinnen haben mir gezeigt, wie vielseitig die Ausbildung ist. Elektrotechnik hat sich für mich als spannendste und breiteste Fachrichtung herauskristallisiert.

Wussten Sie, dass Sie dort nur wenige Mitschülerinnen haben würden?

Ja, das war mir bewusst und ehrlich gesagt war es mir nicht völlig egal. Für meine Entscheidung war es jedoch nicht ausschlaggebend, da für mich die Ausbildung im Vordergrund stand. Rückblickend war es eine prägende Erfahrung. Man lernt, sich in einem männlich dominierten Umfeld zu behaupten, die eigene Stimme zu finden und Selbstvertrauen aufzubauen – Fähigkeiten, die mir auch im Berufsleben sehr geholfen haben. Gleichzeitig habe ich die wenigen Mitschülerinnen als wichtiges Netzwerk wahrgenommen.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Zeit an der HTL?

Eine besonders prägende positive Erfahrung war für mich die Unterstützung durch engagierte Lehrkräfte, vor allem durch meine Klassenvorständin Mag. Melanie Zöhling. Sie hat mich nicht nur fachlich, insbesondere in Mathematik, gefördert, sondern auch persönlich inspiriert und motiviert. Es macht einen großen Unterschied, wenn Lehrpersonen Potenziale erkennen und weiterentwickeln. Diese Unterstützung hat mich nachhaltig geprägt.

Meine HTL-Zeit verbinde ich insgesamt mit einer starken persönlichen Entwicklung. Man startet als Jugendliche mit wenig Orientierung und verlässt die Schule einige Jahre später als verantwortungsbewusste junge Erwachsene mit einem soliden fachlichen Fundament.

Eine Herausforderung war es, nach Phasen, in denen man nicht am Ball geblieben ist, den Lernstoff wieder aufzuholen. Es braucht Disziplin, um den Anschluss wieder herzustellen. Das ist besonders in dieser Lebensphase nicht immer einfach gewesen.

Warum haben Sie sich nach der Matura dazu entschieden, an der TU zu studieren?

Während der Vorbereitung auf die Matura wurde mir klar, dass ich noch nicht fertig mit der Ausbildung bin. Die HTL hat mir eine gute Basis gegeben, jedoch wollte ich nicht nur verstehen, „wie“ die Dinge funktionieren, sondern auch „warum“ das so ist. Dieser Anspruch hat mich zur TU Wien geführt. Ich wollte tiefer gehen, die Grundlagen beherrschen und mir damit die Möglichkeit schaffen, komplexe Systeme wirklich zu durchdringen und weiterzudenken.

Eine wichtige Erfahrung war für mich auch die Zeit vor der mündlichen Matura. In der eigenständigen Vorbereitung habe ich gemerkt, wie stark ich performen kann, wenn ich mir meine Arbeit selbst strukturiere. Das hat mir zusätzlich gezeigt, dass ein Studium, das Eigenverantwortung und Tiefe verlangt, genau der richtige nächste Schritt für mich ist.

War die HTL eine gute Vorbereitung auf das TU-Studium?

Viele Inhalte, sowohl aus dem Bachelorstudium Elektrotechnik und Informationstechnik als auch aus dem Masterstudium Energie- und Automatisierungstechnik, waren mir aus der HTL bereits vertraut. Meiner Meinung nach ist die HTL eine gute Grundlage für das Studium. An der Uni wird einem aber schnell klar, dass man sich auf einem ganz anderen Niveau bewegt. Ich erinnere mich noch gut an die ersten Vorlesungen, in denen ich mir kurz gedacht habe: Sitze ich hier wirklich in einer Bachelorvorlesung?

An der TU werden die Grundlagen nicht nur wiederholt, sondern in einer Tiefe und Abstraktion behandelt, die einen am Anfang durchaus überfordert. Rückblickend würde ich sagen, dass die HTL einem einen Startvorteil gibt, aber entscheidend ist, diesen nicht zu überschätzen und von Anfang an dranzubleiben.

Haben Sie neben dem Studium gearbeitet?

Im Bachelor war ich als studentische Mitarbeiterin am Institut für Elektrodynamik, Mikrowellen- und Schaltungstechnik tätig. Dort habe ich die Labore für Elektrotechnik 1 und 2 betreut. Neben der fachlichen Unterstützung und der Beurteilung der Laborleistungen gehörten auch die Korrekturen der Klausuren und Aufsicht der Prüfungen zu meinen Aufgaben. Es war spannend, Wissen weiterzugeben, komplexe Inhalte verständlich zu machen und auch persönliche Tipps für das Studium mitzugeben. In den Laborübungen war es mir besonders wichtig, eine offene Atmosphäre zu schaffen, sodass sich die Studierenden trauten, Fragen zu stellen.

Im Masterstudium war ich anschließend bei der Netz Niederösterreich im Bereich Netz Engineering tätig. Dort habe ich an Einreichungsunterlagen für Stromnetzprojekte mitgearbeitet und technische Projektunterlagen angepasst. Die Tätigkeit hat mir gezeigt, wie wertvoll es ist, Theorie und Praxis frühzeitig miteinander zu verbinden.

Wie sind Sie nach dem Studienabschluss zu Ihrer heutigen Arbeit bei der Firma Schindler gekommen? Was sind dort Ihre Aufgaben?

Der Einstieg bei Schindler hatte für mich sowohl eine persönliche als auch eine fachliche Komponente. Mein Vater ist seit über 36 Jahren in der Aufzugsbranche tätig, dadurch hatte ich schon früh Berührungspunkte in diesem Umfeld.

Zum Zeitpunkt meines Vollzeit-Berufseinstiegs war ich auf der Suche nach einer Position, die technisches Verständnis mit wirtschaftlichem Denken und Koordination verbindet. Genau das habe ich in dem Moment bei Schindler gefunden.

Ich bin im Produktmanagement für digitale Lösungen zuständig, unter anderem für Systeme wie Schindler PORT, ein intelligentes Zutritts- und Verkehrsmanagementsystem für Gebäude. Meine Aufgabe ist es, neue digitale Produkte und Weiterentwicklungen aus dem Konzern in Österreich zu implementieren – also sowohl die technischen Anforderungen zu verstehen als auch die Umsetzung aus operativer und vertrieblicher Sicht zu begleiten.

Ein weiterer Schwerpunkt meines Jobs liegt in der Projektleitung, etwa bei Initiativen im Bereich nachhaltiger Serviceleistungen. Dabei habe ich die zugehörigen Serviceprozesse mitdefiniert, Daten für die Ermittlung des CO2-Fußabdrucks analysiert und die Umsetzung bis zum erfolgreichen Rollout im Unternehmen verantwortet.

Haben Sie Ratschläge für Mädchen, die sich für Technik interessieren?

Mein Rat an technikbegeisterte Mädchen ist, sich selbst etwas zuzutrauen. Man muss keine perfekten Noten in Mathematik haben, um sich für Technik interessieren zu dürfen. Technik ist kein Talent, das man entweder hat oder nicht hat, vieles erarbeitet man sich. Manche brauchen dafür etwas länger, andere weniger lang. Davon sollte man sich nicht verunsichern lassen. Mit der Zeit merkt man, wie Zusammenhänge klarer werden und sich „zusammenschalten“ – im wahrsten Sinne des Wortes.

Könnte unsere HTL etwas tun, damit sich Mädchen willkommener fühlen?

Aus meiner Sicht wurden bereits viele gute Maßnahmen gesetzt, um Mädchen in der HTL zu unterstützen. Ich habe mich während meiner Schulzeit gut aufgehoben gefühlt. Besonders positiv in Erinnerung geblieben sind mir die Vernetzungstreffen unter HTLerinnen und das Mädchenzimmer als Rückzugsraum. Generell denke ich, dass die Kombination aus aufmerksamen Lehrkräften, einem unterstützenden Umfeld und Möglichkeiten zum Austausch untereinander dazu beiträgt, dass sich Mädchen in der HTL wohlfühlen und ihren Platz in technischen Ausbildungswegen finden.

Was raten Sie den Schülerinnen und Schülern der HTL Wien West?

Dass sie die HTL-Zeit wertschätzen. Man hat täglich Zugang zu Lehrkräften mit sehr unterschiedlichen Hintergründen, sowohl aus der akademischen Welt als auch aus der Praxis mit langjähriger Erfahrung in der Industrie. Diese Möglichkeit sollte man aktiv nutzen, um vom Erfahrungsschatz der Lehrer und Lehrerinnen zu profitieren und so viel wie möglich mitzunehmen.

Schindler PORT – © Schindler Pressebild


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